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Michael Holm - Mal die Welt - DA Records / Da Music - das neue Album
Mittels seiner aktuellen Produktion "Mal die Welt", ist Komponist, Texter, Produzent, Arrangeur und Sänger MICHAEL HOLM wahrlich ein großer Wurf gelungen.
NEWS-EINTRAG
vom 04.06.07 - 17:39 Uhr:
Bereits die ersten Takte des philosophisch-romantisch angehauchten Titelsongs lassen die nicht selten allzu ziel- und konzeptlos erscheinende Ausrichtung seines im Herbst 2004 großartig beworbenen, aber qualitativ überwiegend flachen und uninspirierenden "Comebackalbums" "Liebt Euch" schnellstens dem Vergessen anheim fallen.
Mittels seiner aktuellen Produktion "Mal die Welt", ist Komponist, Texter, Produzent, Arrangeur und Sänger MICHAEL HOLM wahrlich ein großer Wurf gelungen. Bereits die ersten Takte des philosophisch-romantisch angehauchten Titelsongs lassen die nicht selten allzu ziel- und konzeptlos erscheinende Ausrichtung seines im Herbst 2004 großartig beworbenen, aber qualitativ überwiegend flachen und uninspirierenden "Comebackalbums" "Liebt Euch" schnellstens dem Vergessen anheim fallen.
Das Albumdebüt des gebürtigen Stettiners bei der Diepholzer DA-Music beinhaltet 13 propere Kleinode, angesiedelt zwischen Gitarren lastigem Pop, (nicht immer nur) leichten Rockanklängen und (zum Glück) kaum traditionellem Schlagerschmus: Perfekt austarierte Melodien, sämtlich mit unverbrüchlicher Ohrwurmgarantie ausstaffiert, verbunden mit nahezu durchgehend äußerst intelligent formulierten Texten, von denen nicht wenige zweifelsfrei und, ohne zu übertreiben, im klassischen Chansongenre angesiedelt werden können bzw. sogar müssen. Jeder einzelne Beitrag dieser CD steht für sich. Ein potentieller Hit reiht sich an den nächsten. Unnötiges Füllmaterial, lieblose Durchhänger fehlen auf "Mal die Welt" vollkommen. Charmant, ab und zu latent ironisch und augenzwinkernd, stets sympathisch und von bester Stimmkraft beseelt, singt sich der unzerstörbare Kreativling, der – man mag es kaum glauben – seit 1962 (!), ergo seit 45 Jahren, das bundesdeutsche Showgeschäft durcheinander wirbelt, durch seinen 2007er-Meilenstein. So möchte sich der Rezensent an dieser Stelle erlauben, seine ganz speziellen, persönlichen Favoriten aus vorliegender Superscheibe nach und nach hervorzuheben und entsprechend vorzustellen: Da wäre zunächst der krosse Gitarrenrocker "Gefährlich schön". Die mit deftigen Riffs und einem knackigen Groove ausgestattete Rocknummer berichtet von einer toughen Motorradbraut, die vom Lied-Ich erst gar nicht so recht (wieder)erkannt wird. Bald kommt allerdings zum Vorschein: Die "gefährlich schöne" Rockerin war einst "Nachbars kleine, dicke Susi / Die sich gar nichts traut"... Heutzutage erinnert rein gar nichts mehr an die damalige, verklemmt-schüchterne Haltung des Mauerblümchens – aus "Susi" ist eine kraftvolle, selbstbewusste, überzeugende Frau geworden, in die sich das Lied-Ich natürlich umgehend verliebt Der hochmelodische (wiederum enorm treibende, gitarrenbetonte) Radio-Hit "Deine Frau" wirkt auf den ersten Blick, wie eine eifersüchtige Ode eines Mannes, der die Gattin seines besten Freundes verschämt anschwärmt... doch nur wenig später folgt der lyrische Bruch. Denn diese, "Deine Frau" wurde von ihrem bisherigen Ehegespenst immer wieder mißhandelt, betrogen, schlecht behandelt, so daß "Deine Frau" nun schon seit langem die Frau des Lied-Ichs geworden ist. Mit diesem Plot hat Texter Michael Holm ein weiteres, absolut Schlager untypisches Glanzlicht zu verfassen vermocht, das gerade diesen Titel – eben aufgrund der in den Reimen auftretenden Kehrtwendung – zu etwas ganz Besonderem, Herausragenden werden lässt. Inhaltlich gänzlich entgegengesetzt – also, überaus romantisch, liebevoll, verliebt – zeigt sich die aktuelle Radioauskoppelung "Frühstück": Eine radikale, temporeiche Komposition, die, nur einmal vernommen, die Gehörgänge des Rezipienten nicht so schnell wieder verlassen mag. "Ich bring Dir das Frühstück ans Bett / Mach meine Fehler wieder wett"... alleine diese völlig genrefremden Textzeilen über einen Mann handelnd, der zuvor mutmaßlich die eine oder andere Dummheit begangen hat und sich nun bei seiner Liebsten entschuldigen möchte, beweisen das hohe Niveau der grandiosen Songkollektion von "Mal die Welt". Einen weiteren Höhepunkt stellt der sacht bluesinfizierte Riff-Popper "Ein Stück weit" dar, der, in Sachen sozialer Herkunft, weltanschaulichen Denkens und hobbymäßiger Interessen eigentlich nicht kompatible Menschen beschreibt, die, trotz aller genannter Differenzen, zusammenfanden und oft zu Liebespaaren wurden. Luftig-leger rockt "Herz aus Gold" voran, wogegen z.B. "Wozu", "Mir fehlt dieses Wort" oder "Wir haben die Zigaretten geteilt" eher die balladeske, nachdenkliche Seite des heutzutage in Bayern residierenden Multitalents an den Tag legen. Hervorragend auch die melancholische Mid-Tempo-Ballade "Lass uns fliegen", die sehnsüchtig und offensiv zugleich an die späten 60er Jahre gemahnt, und Zeitgenossen auffordert, noch ein einziges, womöglich letztes Mal nach "Woodstock" und "San Francisco", zu den "Beatles" und "Stones" "zu fliegen", um dort nochmals in die Irrungen und Wirrungen ihrer Jugend eintauchen zu können. Ein enormes musikalisches, wie gleichsam lyrisches Wagnis geht die 63jährige Poplegende in der tieftraurigen und dennoch aufmunternden Geschichte "16 Jahre" ein. Zu – man höre und staune – sehr sanften, daher mehr als nur ansprechenden Hip-Hop- Rhythmen, erzählt Michael Holm von einer Mutter, die immer dann, wenn in der Nähe ihrer Wohnung die Schulglocke läutet, fröhliche, lachende Schüler auf den Pausenhof strömen und dort Fußball spielen, an ihren eigenen Sohn denken muss, den sie bei einem schweren Unfall, als er noch ganz klein war, für immer verloren hatte. Diese wundervolle, kongeniale Kooperation der beiden langjährigen Freunde Michel Holm (Text) und Giorgio Moroder (Musik) bietet vermutlich eine der anspruchsvollsten, intelligentesten, tiefgreifendsten Arbeiten dar, die der Hitmacher des 70er-Jahre-Schlagers jemals seinen Fans überreicht hat. Wie eingangs erwähnt, rein subjektiv (!), erachtet der Rezensent als einzigen klanglichen Minuspunkt von "Mal die Welt", Titel Numero 13 von hier analysierter 46-Minuten-CD: Die auf Englisch intonierte Monumentalballade "Trees for the World", zugunsten derrührigen Umweltschutzorganisation "Bäume für Menschen" (www.baeume.de) aufgenommen, ertönt m.E. viel zu kommerziell, zu seicht, zu betroffen – wobei, dies gesteht der Rezensent gerne ein, eben jene konsequent marktträchtige Ausgestaltung jenen Schmankerls selbstverständlich auch ansonsten Michael-Holm-ferne Popfans ansprechen soll, so dass das mainstreamorientierte, immens radiotaugliche Arrangement von "Trees for the World" zwar vielleicht nicht gerade als künstlerisches, aber eben als kommerzielles Meisterwerk aufzufassen ist. Der liebenswerte Interpret längst zu Allgemeingut des deutschen Schlagers avancierter, inzwischen, seit zig Jahren, drallen Kultstatus besitzender Partyknaller der Sorte "Mendocino", "Tränen lügen nicht", "Nur ein Kuss, Maddalena", "Barfuss im Regen" oder "My Lady of Spain, legt anno 2007 mit "Mal die Welt" letztlich ein in gewisser Hinsicht ausschließlich als "Paradoxon" zu bezeichnendes Opus vor: "Mal die Welt" ist nicht mehr und nicht weniger, als ein reifes Alterswerk eines offenkundig und hier 46 Minuten lang hörbar niemals alternden Musikers! Gesamtnote: Bestwertung
Quelle: Holger Stürenburg, 23./24. Mai 2007 für www.smago.de
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