Eines der Hauptkriterien zur Unterscheidung von Funkmodems ist die Art der Anwender Schnittstellen.
Ein Endgerät für Betriebsfunk oder DMR (Digital mobile radio) verfügt immer über eine HMI Benutzerschnittstelle. (HMI = Human Machine Interface bzw. Mensch-Maschine Schnittstelle). Dies ist i.d.R. eine Sprachkommunikationsmöglichkeit (Mikofon/Lautsprecher)oder zumindest ein Display für Meldungen und Nachrichten mit einer Eingabemöglichkeit, z.B. Tasten. Die Protokolle in diesen Funk-Systemen sind dafür ausgelegt, Wahlinformationen zur Übermittlung der Adresse des Kommunikationspartners zu verarbeiten und Sprache sowie Nachrichten zu digitalisieren und zu komprimieren. Dementsprechend sind die Funkgeräte auch mit einer mehr oder weniger aufwendigen Bedienmöglichkeit ausgestattet.
Im Gegensatz dazu sind beim Datenfunkmodem ausschließlich technische Schnittstellen verfügbar. Die sind z.B. TCP/IP, RS232, RS485, RS422, Analoge Ein- und Ausgänge, Binäre Ein- und Ausgänge, GPS Positionsdatenanschluß, Serviceanschluß usw. Die Anzahl der Protokolle, die ein Datenfunksystem verstehen muß, ist sehr vielfältig und hängt von der Vielfalt der am Markt installierten Automatisierungs- und Steuerungssysteme ab. Verbreitete Protokolle sind z.B. IEC-101, SINAUT ST7, MODBUS, RP570 usw., wobei es selbst darunter noch herstellerspezifische Varianten und Besonderheiten gibt. Diese Protokolle sind ausschließlich dazu geeignet, um automatische Steuerungen miteinander zu verbinden. Dies kann ortsfest (z.B. Wasserpumpstationen oder Hochbehälter) oder auch mobil (z.B. Baumaschinen oder Rennfahrzeuge) sein.
Ein weiteres Kriterium ist die Funknetz Infrastruktur.
1. Öffentliche Mobilfunknetze z.B. bieten Technologien wie GPRS/UMTS/EDGE zur Übertragung von Daten mittels TCP/IP an. Diese Art der Datenkommunikation ist grundsätzlich für die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine ausgelegt, d.h. dass sich die Anwender i.d.R. über diese Technolgie in das Internet einloggen. Will man diese Technik für Datenkommunikation zwischen Maschinen nutzen, sind u.a. folgende Umstände zu beachten: Gebührensituation, Versorgungsaspekte, Verfügbarkeit, IP-Adressierungsprobleme.
2. Private Mobilfunknetze (Betriebsfunk, Bündelfunk, TETRA, DMR, PMR usw.) leisten vorrangig die Kommunikation zum Menschen in Form von Sprache und Nachrichten und bieten nebenher auch noch eine beschränkte Anzahl von Zeitschlitzen für Datenübertragung M-to-M, beispielsweise GPS Positionsdaten. Will man diese Technik für Datenkommunikation zwischen Maschinen nutzen, sind u.a. folgende Umstände zu beachten: Investitionsvolumen (hier insbes. für die Basisstationen), Datendurchsatz, Zeitkritische Anwendungen, und Lizenzgebühren.
Hinzu kommt hier noch, daß die Bundesnetzagentur (BNA) für diese Funkanwendungen eine exklusive Nutzung von Fernwirkanwendungen gem. VVnömL (Verwaltungsanweisung für den öffentlichen mobilen Landfunk) nicht genehmigt.
3. Private Datenfunknetze (z.B. Racom, Satel, Piciorgros usw.) zeichnen sich in erster Linie dadurch aus, dass sie über ein mehr oder weniger leistungsfähiges Funkprotokoll verfügen. Da dieses Protokoll proprietär ist, muss man im Einzelnen abwägen, welche Leistungsmerkmale im Datenfunknetz benötigt werden. Hierbei sind u.a. folgende Umstände zu beachten: Vielfalt der Protokollimplementationen, Umfang der Diagnose- und Servicefunktionen, Routing- und Redundanzlösungen sowie Kollisionsvermeidungstechniken, Zuverlässigkeit der Komponenten (MTBF=Meantime between failure), Abwärtskompatibilität der Produktentwicklung, Innovations- und Entwicklungskapazität des Herstellers.
Die Investitionskosten für ein privates Datenfunknetz sind im Vergleich zu Bündelfunk oder TETRA sehr gering. Im Kostenvergleich mit öffentlichen Mobilfunknetzen (GPRS/UMTS/EDGE) sind die Investitionskosten für das private Datenfunknetze nach 3-4 Jahren amortisiert. Die Lizenz wird auf 10 Jahre zugeteilt. Die Nutzungsdauer eines privaten Datenfunknetzes liegt nach heutigen Erkenntnissen bei 10-15 Jahren. Folgekosten entstehen i.d.R. nicht.
Um solche privaten Datenfunknetze zukunftssicher zu planen und zu errichten, werden i.d.R. Funkausleuchtungen vor Ort durchgeführt.
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