Um dieses Phänomen einigermaßen plausibel zu erklären können, muss man etwas genauer hinter die Kulissen blicken und man wird feststellen, dass dieses Ereignis letzten Endes unvermeidbar war. Dabei kann man den trostlosen Auftritt der Nationalmannschaft Frankreichs bei der WM 2002 in Japan und Südkorea eventuell noch als Ausrutscher bezeichnen, da man sich danach wieder in bester Verfassung präsentierte. Allerdings konnten die Franzosen nicht kompensieren, was unvermeidbar war – den Alterungsprozess der Spieler.
Dies ist unweigerlich auch mit dem Namen des Nationaltrainers Raymond Domenech ganz eng verbunden. Obwohl es unter Domenech eine große Anzahl an jungen Debütanten in der Nationalmannschaft gab, hielt dieser in den Jahren seiner Amtszeit meist an den Altgedienten fest. Demzufolge konnte die Mannschaft, die zuvor mit ihrem technisch brillantem Tempofußball begeisterte, die hohen Ansprüche nicht mehr erfüllen. Bereits bei der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland 2006 zeichnete sich der Zerfall und Niedergang der Mannschaft ab. Hier konnte man sich zwar noch mit viel Glück bis ins Finale durchmogeln, allerdings spiegelte dies schon damals nicht mehr den tatsächlichen Leistungsstand des französischen Teams wieder. Lediglich Superstar Zinedine Zidane konnte noch mit seiner Leistung an die glorreiche Zeit erinnern. Nach der WM 2006 beendete der begnadete Techniker seine großartige Karriere in der Nationalelf Frankreichs und mit ihm ging auch der Erfolg.
Die Erben Zidanes waren bisher nicht in der Lage, ebenso erfolgreich und ansehnlich die Farben Frankreichs zu vertreten. Zwar ist auch der aktuelle Kader mit reichlich Superstars gespickt, aber unter dem Trainer Domenech konnten diese niemals als Mannschaft auftreten. Domenech hat es nicht verstanden, die Spieler miteinander spielen zu lassen. Jeder hat nur versucht, für sich selbst zu glänzen. So ist es nicht verwunderlich gewesen, dass die meisten Kritiker des französischen Fußballs immer wieder die Ablösung des Trainers gefordert hatten, allerdings bisher ohne Erfolg. Nachdem man bei der WM 2006 immerhin noch den zweiten Platz erringen konnte, gab es fortan eine ständige Talfahrt. Bereits bei der Europameisterschaft 2008, die in Österreich und der Schweiz stattfand, schied man bereits nach der Vorrunde sang- und klanglos aus. Wiederum sahen viele den Trainer als den Schuldigen an, doch der französische Verband verlängerte nochmals den Vertrag.
Auch die Spieler der Équipe tricolore taten nun immer wieder ihren Unmut kund, wenn es um die Position des Trainers ging. So befanden sich in der Mannschaft mehrere Lager; die Spieler, die den Trainer akzeptierten, diejenigen, denen das alles egal war und natürlich die, die lieber einen anderen Trainer gehabt hätten. Auch das stolze französische Volk distanzierte sich mehr und mehr von der eigenen Nationalelf. Als man sich für die diesjährige Weltmeisterschaft qualifizieren konnte, gelang dies nur durch einen irregulären Treffer. Die Franzosen mussten den Umweg über die Relegationsspiele gehen und konnten die erste Begegnung in Irland mit 1:0 für sich entscheiden. Im Rückspiel deutete sich lange eine Sensation an, denn die Iren führten im Stade de France ihrerseits mit 1:0 und das Spiel ging in die Verlängerung. Hier konnten die Franzosen zwar einen Treffer erzielen, dem ging allerdings ein eindeutiges Handspiel voraus. Ein von den Iren eingelegter Protest wurde abgelehnt.
In den Gruppenspielen der Vorrunde der WM 2010 in Südafrika setzte sich nun die Talfahrt fort und der Bruch zwischen Mannschaft und Trainer wurde größer und endete mit dem Eklat, dass er von beiden Seiten in der Öffentlichkeit ausgetragen wurde. In einer vermeintlich leichten Gruppe schieden die Franzosen wieder einmal ohne Sieg aus und müssen nun die Heimreise antreten. Der Trainer Domenech ist damit nicht mehr Trainer der Blauen, da sein Vertrag nicht mehr verlängert wurde. Somit stehen den Stars des französischen Fußballs keine Ausreden mehr zur Verfügung. Es bleibt nun zu hoffen, dass man in unserem Nachbarland endlich wieder die Kurve kriegt und die bisherige gute Nachwuchsarbeit wieder mehr Früchte trägt. Dann werden wir in Zukunft auch wieder Fußballfeste mit einer starken französischen Nationalmannschaft erleben können.
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