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Neuer U-Form-Test: Fachkraft im Fahrbetrieb - Kein Job für Seiteneinsteiger


Ohne sie läuft fast nichts im kommunalen Personennahverkehr: Bus- und Bahnfahrer. Was kaum jemand weiß: Wer viele Passagiere befördern will, muss kräftig büffeln


NEWS-EINTRAG aus der Kategorie Beruf / Bildung vom 31.08.10 - 15:47 Uhr:

 

 

Und zwar drei Jahre lang. Gerade bei Städten und Kommunen genießt die Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb einen hohen Stellenwert. Um herauszufinden, welche Bewerber am besten geeignet sind, wurde nun ein fachspezifischer Test entwickelt.


In enger Zusammenarbeit mit der Ausbildungsleitung der Wuppertaler Stadtwerke (WSW) hat der U-Form Verlag den Test „Fachkraft im Fahrbetrieb“ entwickelt. „Diesen Test zu gestalten, war nach meiner Einschätzung die goldrichtige Entscheidung“, sagt Rüdiger Funk, bei den WSW für die Ausbildung der Fahrer und Fahrerinnen in spe zuständig. Nachdem das Auswahlverfahren für die Azubis bisher unter Verwendung von Prüfungen anderer Berufsbereiche durchgeführt wurde, umfasst der neue, zweiteilig angelegte Test alle relevanten Wissensgebiete: Teil 1 bietet insgesamt 38 Fragen aus den Bereichen Verkehrswissen und -verhalten, Kundenorientierung, Deutschkenntnisse und kaufmännische Grundlagen. Die Bearbeitungszeit beträgt 80 Minuten. Im Anschluss werden die Kandidaten in Teil 2 auf dem Gebiet Konzentrationsvermögen geprüft; ein Bereich, der gerade für Berufskraftfahrer von eminenter Bedeutung ist. Für diesen Testabschnitt haben die Probanden 25 Minuten Zeit.

„Durch die weit gefächerten Inhalte können wir jeden Kandidaten im Hinblick auf seine Eignung in allen wesentlichen Wissensbereichen des Berufsbildes sehr genau einschätzen und dann entscheiden, wem wir einen Ausbildungsvertrag anbieten und wem eben nicht“, erläutert Rüdiger Funk. Gerade bei den stetig ansteigenden Verkehrsaufkommen in den Städten ist es entscheidend, dass kompetente Kräfte hinter den Lenkrädern sitzen. „Immer mehr Menschen wollen besonders in den Städten ohne Auto mobil sein. Daher wird der Beruf des Busfahrers auch zunehmend anspruchsvoller“, weiß Michael Malecke, Referent für Öffentlichkeitsarbeit der WSW-Mobil GmbH. Zu den Fähigkeiten, die ein Busfahrer mitbringen muss, zählt Malecke nicht nur dauerhafte Konzentration, Freundlichkeit und Geduld gegenüber den Fahrgästen. „Der Fahrer ist für die Sicherheit der Passagiere verantwortlich, muss immer mal wieder für Ruhe sorgen und in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf bewahren.“ Für angehende Busfahrer sei es daher enorm hilfreich, über einen Test zu erfahren, ob sie die nötigen Fähigkeiten für den Beruf mitbringen. Ebenso erleichtert der Test den Ausbildern, die am besten geeigneten Kandidaten auszuwählen.

Bevor der Test Mitte November vergangenen Jahres seine Feuertaufe im realen Einsatz erlebte, wurde er im laufenden Wuppertaler Ausbildungsbetrieb auf Herz und Nieren geprüft: Die Möglichkeit, noch einmal in die Rolle des Bewerbers zu schlüpfen und den neuen Test „Fachkraft im Fahrbetrieb“ zu absolvieren, nutzte eine Vielzahl der Azubis. Alle Probe-Probanden – ein Querschnitt durch sämtliche Schulbildungsschichten – führten den Test unter Realbedingungen durch und hatten im Anschluss die Gelegenheit, ihre Meinung zu den Testinhalten zu äußern. „Die Auszubildenden waren durchaus kritisch“, berichtet Rüdiger Funk, „doch ihre Hinweise waren äußerst hilfreich für uns.“ Verbesserungsvorschläge kamen zur Sprache, eventuelle Missverständnisse bei der Fragestellung konnten aufgedeckt und beseitigt werden. „Und was die Testergebnisse angeht, bin ich mit der Bandbreite der erreichten Leistungen sehr zufrieden“, wertet der Ausbildungsleiter.

Im aktuellen Bewerberverfahren für 2010 baten die WSW von 90 Bewerbern 15 zum – neuen – Test. Unter Vorbehalt der körperlichen Eignung haben sich schließlich sechs der Probanden im Alter zwischen 16 und 22 Jahren qualifiziert und freuen sich über einen Ausbildungsvertrag. Ernst wird es für die Fahraspiranten am 1. September 2010, dann ist Ausbildungsstart.

Über die neuen Azubis sagt Funk: „Wir brennen darauf, sie auszubilden.“ Mit dem neuen U-Form-Test sieht er sich auf der sicheren Seite. Schließlich sei die Qualifikation zur Fachkraft im Fahrbetrieb nicht gerade preiswert. „Allein die Fahrschule schlägt mit rund 10 000 € zu Buche“, erläutert der Ausbildungsleiter. Die richtigen Kandidaten zu finden, sei also schon aus rein wirtschaftlichen Erwägungen heraus wichtig. Mit dem Test „Fachkraft im Fahrbetrieb“ sei das gelungen. Funk ist überzeugt: „Der Aufwand, etwas ganz Neues zu entwickeln, hat sich in jedem Fall gelohnt.“



Info:
Das Berufsbild „Fachkraft im Fahrverkehr“ gibt es seit 2002. Bis 1983 durften in Bussen ausschließlich Männer ans Steuer, für Frauen war es gesetzlich verboten, einen ÖPNV-Bus zu lenken. Bisher war es möglich, den Bus- bzw. LKW-Führerschein zu machen und sich damit als Fahrer zu bewerben. Im Anschluss war lediglich eine etwa halbjährige Grundqualifizierung erforderlich. Nun wurde die EU-Fahrpersonalverordnung erneut geändert: Ab 2014 muss jeder, der gewerblich als Kraftfahrer tätig ist, eine entsprechende Ausbildung vorweisen (Fachkraft im Fahrbetrieb). Die Ausbildung dauert drei Jahre, eine Verkürzung ist nicht möglich.

Informationen zum Unternehmen:
Der U-Form-Verlag wurde vor 110 Jahren als Hermann Ulrich (GmbH & Co) KG gegründet und war ursprünglich eine reine Druckerei. Seit Anfang der 70er Jahre hat sich das Unternehmen auf Einstellungstests für Unternehmen und Verbände spezialisiert. Prüfungstrainer mit Lösungs- und Erläuterungsteil sind z.B. für Bürokaufleute und Industriekaufleute erhältlich. Seit 2002 setzt Geschäftsführerin Felicia Ullrich auch auf den Onlinemarkt. Zu den Kunden des U-Form-Verlags zählen unter anderem Kaufhof, RWE und Henkel.
Internet: u-form.de; bewerbernavigator.de

Autor: Oliver Slota

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