Die Veranstaltungsreihe des Archäologischen Landesmuseums Brandenburg möchte jährlich unter wechselnder Thematik prähistorische und historische Handwerkstech-niken sowie Aspekte der Kunst-, Musik- und Alltagsgeschichte einem breiten Publikum anschaulich demonstrieren und praktisch erfahrbar machen. „Es ist schon eine Art experimenteller Archäologie, die von Menschen betrieben wird, welche sich dem alten Handwerk verschrieben haben“ sagt Rainer Kossian, Wissenschaftlicher Leiter des Landesmuseums. Wichtig ist dabei ein hohes Maß an inhaltlich-technischer Authentizität, um die Veranstaltung von kommerziellen „Märkten“ und Fantasy-Events zu unterscheiden. Themen können dabei einzelne Epochen sein aber auch diachron durch die Zeiten reichen. „Ideen gibt es genug. Ein klassisches Thema wäre z.B. die Keramikherstellung durch die Jahrhunderte, aber auch die Geschichte der Ernährung ist interessant“ so Rainer Kossian weiter.
Die Premiere der Veranstaltungsreihe unter dem Thema "Handwerkstechniken des
13. und 14. Jh.s" im Jahr 2010 fand großen Zuspruch. Mehr als 30 Darsteller demonstrierten das Sticken, Spinnen, Schmieden, Schneidern, die Buchmalerei und das Buchbinden, die Zimmerei, das Knochen schnitzen, das Würfel machen und Brettchen weben, die Seilerei, die Fischerei und die Färberei – und als Besonderheit die Technik der Armbrustherstellung. Eine Harfenistin erklärte und spielte mittelalterliches Liedgut. Ergänzend dazu führten rekonstruierte hochmittelalterliche Zelte, Stände und das entsprechende Mobiliar in den Alltag und die Lebensart des Hochmittelalters ein. Die authentische Kleidung der Darsteller war ein weiteres wichtiges Kriterium, um den hohen Anspruch dieser Veranstaltungsreihe zu erfüllen.
Am 27./28.08.2011 wird sich die ArchäoTechnica mit dem 17. Jahrhundert beschäftigen. Neben dem traditionellen Handwerk sollen auch Kriegshandwerk und Waffentechnik der Barockzeit thematisiert werden. Zwei authentische Reenactment-Gruppen stellen gelebte Geschichte nach und bauen im Klostergarten ihr Lager auf. „Hortus Bellicus“ und „Horns Grünes Leibregiment 1632“ bieten anhand von Zelten, Mobiliar und Kleidung die Möglichkeit, die Alltagskultur der Soldaten und des Trosses im Dreißigjährigen Krieg kennen zu lernen. Einblicke in Kriegshandwerk und Waffentechnik geben die Demonstrationen des Spezialisten Armin König, der zeitgenössische Waffen in der Technik der Zeit originalgetreu nachbaut. Zusammen mit dem Archäologenteam zur Ausstellung „1636 – ihre letzte Schlacht“ und Kupferstichen aus zeitgenössischen Exzerzierbücher können sich die Besucher in der Handhabung originaler Langspieße versuchen. Ein „Feldscher“ erklärt die anspruchsvolle Tätigkeit eines Lagerarztes.
Die „Münzer von Rothenburg“ zeigen an einem authentischen Nachbau einer Münzpresse die Münzprägung um 1617. Der Kürschner Sebastian Krause demonstriert, wie aus einem Fell ein Pelz wird. Die Schneiderin und Textilgestalterin Birgit Enkirch führt authentische, nach zeitgenössischen Modellen gefertigte Kleidung vor und erklärt Materialien und Nähtechniken des 17. Jahrhunderts. Mit dabei ist auch die Holländerin Helga Schumann, die die Haubenmacherei zeigt. Alexander Schmidt demonstriert an einem originalen Webstuhl die Textilherstellung sowie die Färberei.
Auch die Musik kommt nicht zu kurz: die Harfenistin Merit Zloch wird auf ihrem Instrument die Volksmusik des 17. Jahrhunderts dem Besucher näher bringen, Ralf Gehler beherrscht als einer der Wenigen den Dudelsackbau der Zeit.
Im Jahr 2012 wird sich die ArchäoTechnica abermals dem 17. Jahrhundert widmen. Im Kontext der Sonderausstellung „1636 - Ihre letzte Schlacht“, die im April 2012 im Archäologischen Landesmuseum eröffnet wird, steht das Lagerleben im Dreißigjährigen Krieg im Mittelpunkt.
Eintritt 5 €, ermäßigt 3,50 €, Familien 10 €, Kinder unter 10 Jahren frei
Archäologisches Landesmuseum Brandenburg
Neustädtische Heidestraße 28 | 14776 Brandenburg
Tel.: 03381/4104112