Rückblende: Am 09. November 1989 gibt ein seiner Selbstherrlichkeit beraubter Schabowski, seines Zeichens Mitglied des Politbüros, im staatlichen Fernsehen eine Sensation bekannt. Die Bürger der DDR erhalten die Reisefreiheit. Auf Nachfrage eines ausländischen Journalisten, wann denn die Regelung in Kraft trete, stammelt der Politiker irgendwas von ohne zeitliche Verzögerung. Die sich daraus ergebene Frage nach dem Sinn der Berliner Mauer bleibt ohne qualitative Antwort. Das Kalenderdatum, ein Schicksalstag der Deutschen.
Die Bürger nehmen Schabowski beim Wort. An der Bornholmer Strasse versammeln sich immer mehr Menschen am Grenzübergang in Richtung Westen. Die Grenzer sind konsterniert. Die DDR-Bürger stehen diszipliniert in der Schlange fast nach britschem Vorbild. Ohne Aggression werden die Soldaten darauf hingewiesen den Schlagbaum zu heben. „Der Schabowski hat gesagt wir dürfen durch. Mach mal den Schlagbaum hoch“. Letztlich übernehmen die Bürger das selbst. Kein Schuss fällt. Die Mauer ist schon ein Teil der Geschichte, die Macht der SED dahin.
Rückblende zurück: Was ist geblieben von der Euphorie? Nun, Berlin macht sich. Durch die jahrzehntelange Trennung ist die wirtschaftliche Lage allerdings schwierig. Der Wegfall der Subventionen nach der Einheit hat die Lage verkompliziert. Industrie gleich null. Finanzplatz schon mal gar nicht. Trotzdem gibt es Dinge, die Berlin auszeichnen. Dienstleistungen, Kreativität, Einfallsreichtum.
Berlin ist im Kommen, das wird was. Doch auch die Probleme wachsen. Die Bundesregierung wird die Kommunikation im Internet und im Mobilfunk überwachen lassen. Die Daten sollen ein halbes Jahr gespeichert werden, und dann? An eine Löschung und Kontrolle dessen glaubt wohl niemand ernsthaft. Die Unternehmen leiden unter der vergleichsweise geringen Kaufkraft der Bürger. Arbeitsplätze gibt es zu wenig, die Qualifikation der Arbeit suchenden ist aber überdurchschnittlich gut. Die Unternehmenskultur hat so viele Gegensätze wie die Stadt selbst. Teilweise scheint eine Renaissance alter Werte stattzufinden. Übertriebene Hierarchien blühen auf. Nur einige Büroräume weiter aber gibt es moderne Strukturen und Kreativität.
Die Internationalisierung hat Berlin gut getan. Aber man muss Geduld haben. Deutschland ist industriell gewachsen, weil die meisten Arbeiter und Angestellten eben an jedem Tag die Schraube in gleicher Weise am Metall befestigt haben. Dienstleistungen funktionieren anders. Strukturen müssen verändert werden, der Weg ist in den meisten Branchen aber schon geebnet. Nicht schlecht, schon viel erreicht mit 18 Jahren.