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Geschwisterkinder -Geschwisterstreit - Wohin die Reise geht.....


Von der Dialektik des Wachstums -„Wenn die Kinder klein sind, gebt ihnen Wurzeln, wenn sie groß sind, gebt ihnen Flügel.“


NEWS-EINTRAG aus der Kategorie Bücher / Literatur vom 29.02.08 - 20:19 Uhr:

 

 

Entwicklung beruht auf Veränderung und Kontinuität. Bei aller Veränderung der wir und unsere Kinder fortschreitend unterliegen, bleibt ein beständiger Kern sichtbar. Er speist sich aus der unverkennbaren Individualität und Identität jedes einzelnen Familienmitglieds. Dieser Kern entfaltet sich langsam, benötigt Eindrücke von außen, um eine zunehmend klarere und unterscheidbarere Dimension zu gewinnen.


Viele im Beziehungsgeflecht der Familie angelegte Themen, die z.B. über Bündnisse oder Delegationen entstehen, erschließen sich erst, wenn sich die Kinder ablösen oder noch viel später, wenn die Kinder selbst schon erwachsen sind. Es braucht eben Zeit, bis die Dinge bewusst werden und sich greifbar ausdifferenzieren. Manche werden ungelöst an die nächste Generation weitergegeben. Im Einzelschicksal entsteht im Laufe des Prozesses dann das, was wir im Volksmund Persönlichkeit nennen.
Expansionsdrang und Bedürfnis nach Neuem wechseln sich in diesem Reifungsprozess ab mit dem Bedürfnis nach Erhaltung, Entspannung, Ordnung und Gleichgewicht. Wer viel äußere Unordnung erlebt, dessen innere Stimme drängt es nach Struktur, Klarheit und Übersicht. Wer sich in der Ruhe eingerichtet hat, erlebt sie schnell als Einengung und Beschränkung und sucht wiederum nach Impulsen von außen. So entwickelt jeder von uns einen eigenen Rhythmus. Soll gemeinsames Leben gelingen, müssen individuelle „Eigenzeit“ und „Eigenraum“ respektiert und unterstützt werden. Nur dann ist im Übrigen der sensible Familienorganismus in der Lage, seinen Rhythmus zu finden und die vielen verschiedenen in ihm wirkenden Kräfte in einem gesunden Gleichgewicht zu halten.
Entwicklung braucht Widerstände. Sie kommt in Gang durch Reize und durch Reibung, die uns drücken, die uns jochen, die uns stimulieren oder die uns aufwühlen. Widerstände sind die Hebel unserer Entwicklung, die uns in Bewegung bringen. Eine Person entwickelt sich in der Überwindung der Krise und erweitert so die eigenen Lebensmöglichkeiten. Dazu braucht es die Möglichkeit, Erfahrungen und Fehler zu machen und das Wissen, unterstützt und gehalten zu sein, wenn die Person stolpert oder scheitert. Eltern und Kinder sitzen hier in einem Boot. Ihre Entwicklungsherausforderungen sind zwar nicht die Gleichen, aber beide Seiten müssen reifen und sich ihren Themen stellen. Krisenauslösende oder mindestens Veränderung einfordernde Phasen, in denen sich die eigenen Kräfte erproben und verfeinern können, gibt es genug:
Natürliche Entwicklungskrisen
Geburt des ersten Kindes; das Babyalter, oft bis zum dritten Jahr (Gefahr für die Paarbeziehung); die Geburt des zweiten Kindes (Gefahr für das inzwischen mühsam erreichte Gleichgewicht, evtl. Eifersucht des ersten Kindes); Geburt weiterer Kinder (Gleichgewicht der Familie muss sich jedes Mal neu finden, Familie muss sich als Familie neu entdecken)
Besuch des Kindergartens; Einschulung; Übergang in die weiterführende Schule; Pubertät, erste Freundschaft mit Jungen/Mädchen; Einstieg in eine Berufsausbildung; Beginn des Studiums; Einstieg in die Berufstätigkeit; nahender Auszug eines Kindes; psychische Verabschiedung der Eltern aus ihrer Rolle; Verbindliche Partnerschaft/Ehe, selbst Eltern werden….
Unnatürliche Entwicklungskrisen
Umzug (z. B: durch Arbeitsplatzwechsel der Eltern, häufig eine Quelle von Verunsicherung und Unruhe für alle); Trennung, Scheidung der Eltern; schwerwiegende Erkrankung eines der Kinder; Krankheit, Unfall, Tod von einem der beiden Elternteile oder von einem Geschwister
Arbeitslosigkeit der Eltern ….
Es bieten sich genügend freiwillige oder auch unfreiwillige Gelegenheiten, unabwendbare Realitäten zu erfahren und bei der Bewältigung dieser Anforderungen, das Verhältnis von eigenem Kraft- und Zeitaufwand ins Gespür zu bekommen, sowie ein Gefühl für das eigene Leistungs-, Handlungs- und Eigentätigkeitsvermögen zu entwickeln. Individuation als Lebensentwicklungsaufgabe vollzieht sich alltäglich und bietet vielfältige Möglichkeiten, eigene Kräfte und Grenzen zu erproben, Passivität und Versorgungshaltung zu überwinden und den Mut zu entwickeln, den eigenen Alltag entwicklungsgemäß selbst in die Hand zu nehmen. Geschwisterkonflikte spielen beim Erlernen sozialer Verhaltensweisen eine große Rolle und schaffen innere Bilder, die prägen und - manchmal sogar bis ins Erwachsenenalter hinein - helfen, in Entscheidungssituationen Orientierung zu finden. Durch das Kräftemessen und Tauziehen im sicheren Rahmen der Familie sammeln die Kinder jede Menge Erfahrungen, die ihnen in der weniger sicheren Außenwelt zugute kommen. Da sie sich nicht nur gestritten, sondern sich auch wieder versöhnt haben, haben sie gelernt, Probleme zu lösen, Differenzen durch Verhandlungen auszugleichen und letztlich den Standpunkt anderer zu begreifen.
So entwickelt sich aus der Fähigkeit mitzuempfinden die Fähigkeit zum Einfühlen: Die Situation des anderen verstehen, sich in die Situation des anderen hineinversetzen, allein durch Beobachten und Nachdenken, ohne dass emotionale Signale gesendet worden wären. Das ist eine große soziale Leistung, die auf etlicher Erfahrung beruht, die wiederum unter Geschwistern in besonderer Weise gesammelt werden kann und Voraussetzung dafür ist, sich für Veränderung öffnen zu können. Die Erfahrungen mit den Geschwistern führen so zu der Fähigkeit des flexiblen Perspektivenwechsels und machen die Kinder zukunftsfähig.
Wandel und Wechsel, Abschied und Neubeginn, Verhärtungen und Verflüssigungen von Konstellationen, Bündnissen und Problemkomplexen, all das gehört in den Erziehungs- und Beziehungsalltag von Geschwisterkindern, bis die Kinder groß sind, sich dem Erwachsenwerden zuwenden und schlussendlich aus dem Haus gehen. Das vereinheitlichte Zusammenführen aller gesammelten Kräfte aus der Zeit des Werdens in der Familie ist Ziel der Entwicklung und sollte mit der Ablösung in ersten Ansätzen gelingen. Dann entsteht das, was wir gelungene Identität nennen. Wenn es uns glückt, dass die Kinder lernen, voller Vertrauen ihr Leben in die Hand zu nehmen und sich eingebunden wissen in einen Kreis von Freunden und dabei ja dazu sagen können „Drehbuchautor und erfolgreicher Akteur ihres Lebens“ zu werden, dann sind Erziehung und Begleitung gelungen. Solch ein Selbsterleben der Kinder steht am Ende elterlicher Erziehungsleistung und kann nicht schon am Anfang von den Kindern erwartet werden. Haben Sie also den Mut zum langen Atem!
Mensch sein lehrt mit inneren und äußeren Gegensätzen leben zu lernen und sich persönlichen Erfahrungen mit Identität - auch existentiellen - zu stellen. Jedes Leben ist ein unvollendeter erster Wurf, der Eigen-Leben gewinnen und in Partnerschaft, Gruppe oder Gesellschaft pflegen und bewahren will.
Erwachsene müssen erkennen, dass Kinder eigenständige Wesen sind. Sie müssen sie früher oder später in ihr eigenes Leben entlassen, sie frei sprechen von den eigenen Vorlieben, Wünschen, Ängsten, Hoffnungen und Sorgen. Wenn es uns gelingt, sie aus der Verbindung zu uns zu entlassen, sie aus allen gemeinsamen Verstrickungen frei zu geben, können wir sicher sein, dass sie uns ein Leben lang verbunden bleiben.
Über die Aufgaben, die die Eltern bewältigen dürfen, wenn sie ihre Kinder frei geben, könnte man wieder ein ganz eigenes Buch schreiben. Sie dürfen sich als Paar neu entdecken, neue Aufgaben, neuen Sinn finden und sie dürfen sich gemeinsam dem stellen, was sie aus der Familienphase gemacht haben und Bilanz ziehen. Aufgabe ist es, den vergangenen Lebensabschnitt annehmen zu lernen, wie er war, sich mit ihm zu versöhnen und Frieden zu finden auch mit den eigenen Unzulänglichkeiten, die in der eigenen Elternrolle wahrgenommen wurden. Zum Schluss möchte ich noch einmal eine Geschichte erzählen:

Der Fluss und die Kohlköpfe
Stellen Sie sich einen Mann vor, der - aus welchen Gründen auch immer - bereit ist, Haus, Hof und Heimat zu verlassen. Er macht sich auf den Weg, weil er eine Vision, oder banaler ausgedrückt, eine Vorstellung hat, von einer anderen, vielversprechenderen Zukunft. Ängstlich zwar, aber guter Hoffnung, nimmt er sich vor, kleine Schritte mit Schatten zu wagen. Er geht wie Hänschen klein hinaus in die weite Welt. Da er nicht sicher ist, ob er in der Welt satt wird und wie er dort zurechtkommt ohne all seine Sicherheiten (Dach über dem Kopf, Vorräte, Nachbarn usw.) entscheidet er sich, 2 Säcke voll Kohlköpfe als Wegzehrung und Überlebenspolster mit auf den Weg zu nehmen. So wandert er einige Wochen darauf los, wird auch schon mal zum Essen eingeladen oder fängt einen Fisch oder ein kleines Tier, findet Beeren , Äpfel, Pilze und Kirschen. Trotzdem ist er froh, dass er seine Säcke mit Kohl bei sich hat. Denn immer wieder würden die Mahlzeiten mehr als schal ausfallen, hätte er seine Kohlköpfe nicht. Nun kommt er an einen reißenden Fluss und er spürt ganz genau, dass sein Weg jenseits dieses Flusses liegt. Aber in realistischer Einschätzung seiner Kräfte ist ihm auch sofort klar, dass er hier seine letzte Sicherheit, seine beiden Säcke voll Kohlköpfe hinter sich lassen müsste. So entschließt er sich zunächst am Ufer des Flusses zu nächtigen und diese schwergewichtige Entscheidung zu überschlafen. Doch am nächsten Tag ist er so unentschieden wie am Tag zuvor. Und so bleibt er noch eine Nacht und noch eine Nacht, ohne sich entscheiden zu können. Wir wissen nicht, wie sich dieser Mann entschieden hat. Aber stellen sie sich einmal vor, sie wären der Mann und die Kohlköpfe wären keine Kohlköpfe, sondern Vorstellungen, - unsere liebgewonnen Vorstellungen von der Welt, von uns selbst, von den Kindern, über die anderen. Würden wir uns nicht auch schwer tun, all diese Vorstellungen und damit auch Denkgewohnheiten fahren zu lassen und uns für einen ganz neuen Blick auf die Welt zu öffnen? Letztendlich ist dieses loslassen müssen aber unumgänglich, denn die neue Welt öffnet sich uns nur, wenn es uns gelingt, das Alte fahren zu lassen.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Kindern, dass sich Ihnen noch viele Welten auftun und dass sie den Mut haben, immer wieder neu anzufangen.
Alles Gute und immer eine kleine Brise frischen Wind dabei, damit Sie die Segel setzen können zu großer oder auch zu kleiner Fahrt, das wünsche ich ihnen.

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