Touristen schlendern gemütlich durch die Strada Nova, der größten Einkaufsstraße der Stadt und Verbindung zwischen Bahnhof und Rialto-Brücke. Kinder laufend lachend herum, die Plätze vor den Bars sind fast alle besetzt, wie selbstverständlich steht alle 100 Meter ein Taschenverkäufer. Es ist früher Samstagabend, die Tagesgäste sind auf dem Weg zurück in die Urlaubsorte oder zum Bahnhof, langsam kehrt Ruhe in Venedig ein.
Plötzlich werden die Händler unruhig, einigen packen ihre gefälschten Prada- und Gucci-Taschen zusammen und verschwinden in der nächsten Gasse. Einige telefonieren, zwei bleiben gelassen stehen und merken anscheinend nicht, dass sie bereits ins Visier der Zivilfahnder geraten sind.
Der Schrei eines touristisch gekleideten Mannes beendet die Idylle: „Passt auf die Kinder auf!“ Ein zweiter, bis dahin ebenfalls unauffällig an einer Mauer lehnender Mann, rennt bereits. Dabei schiebt sich sein T-Shirt nach oben und die Schusswaffe wird sichtbar, wie auch bei seinem Kollegen, der die Warnung gerufen hat. Die Händler rennen, einer wird von dem Polizisten erwischt und am Arm festgehalten. Er reißt sich los und verletzt dabei offensichtlich den Polizisten an der Hand. Der andere ist längst verschwunden, der zweite Polizist hat nach wenigen Metern aufgegeben. Die auf dem Boden stehenden Taschen werden von den Fahndern in Zivil eingesammelt und mitgenommen.
Erschrocken bleiben die Passanten stehen, aber der Krimi in Venedig ist bereits beendet. Nach und nach tauchen die Händler wieder auf, grinsen, telefonieren und setzen ihr illegales Geschäft fort. Kettenrasseln der Stadt Venedig? Es wäre ein Leichtes, mit einem Großeinsatz alle Händler zu fassen. Aber zwei Fahnder gegen Hunderte von Illegalen? Aussichtslos. Vielleicht gewollt?