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Patientenwissen: Aufklärung und Behandlungsdokumentation vor Operationen


Euskirchener Patientenanwältin Astrid Maigatter-Carus informiert Patienten zu dem Thema: Aufklärung vor einer ärztlichen Behandlung.


NEWS-EINTRAG aus der Kategorie Recht / Gesetz vom 26.04.10 - 09:52 Uhr:

 

Euskirchen – Rechtsanwältin Astrid Maigatter-Carus hat in ihrer täglichen Praxis überwiegend mit Patienten zu tun. Oft tauchen für Patienten Fragestellungen erst nach einer Operation auf – dann, wenn sich vor, während und nach einem Eingriff herausstellt, dass der Behandlungserfolg sich nicht in der erwarteten Art und Weise eingestellt hat.


Andrea Moersdorf, geschäftsführende Inhaberin von Moersdorf Consulting ist selbst Mutter einer behinderten Tochter, die wegen eines Arztfehlers viel zu früh in der 25. Schwangerschaftswoche geboren wurde und heute mehrfach behindert ist. Moersdorf führt zu diesem komplexen Thema das Interview mit Astrid Maigatter-Carus.

Andrea Moersdorf:
Frau Maigatter-Carus, im ersten Teil unserer Gesprächsreihe zu Aufklärung und Dokumentation haben wir bereits grundlegende Dinge erfahren. Wie verhält es sich denn, wenn Patienten der Sprache des Arztes / der Ärztin nicht mächtig sind? Wie kann hier eine umfassende Aufklärung gewährleistet werden?

Astrid Maigatter-Carus:
Es gibt oft Schwierigkeiten bei der Aufklärung ausländischer, des Deutschen gar nicht oder nur unzureichend kundiger Patienten. Obwohl sich diese Fälle angesichts der Globalisierung häufen, ist die Rechtsprechung hierzu uneinheitlich.

Grundsätzlich gilt jedoch: Auch dem ausländischen Patienten muss in jedem Fall eine zutreffende Vorstellung davon vermittelt werden, welche Risiken er durch den beabsichtigten Eingriff eingeht. Deshalb muss der Arzt eine sprachkundige Person hinzuziehen, wenn nicht ohne weiteres sicher ist, dass der Patient die deutsche Sprache genügend beherrscht.

Andrea Moersdorf:
Frau Maigatter-Carus, was wird in diesem Zusammenhang als ausreichende Aufklärung angesehen?

Astrid Maigatter-Carus:
Als ausreichend wurden von der Rechtsprechung erachtet die Aufklärung
- mit Hilfe der Putzfrau - so das Oberlandesgericht (OLG) München - oder
- mit Hilfe einer Krankenschwester, sagt beispielsweise das OLG Nürnberg, oder auch
- unter Zuhilfenahme der Zeichensprache.
Streitig ist, ob der Arzt verpflichtet ist, einen Dolmetscher hinzuzuziehen.

Ist der Eingriff dringend und eine Verständigung nicht möglich, wird auf den mutmaßlichen Willen des Patienten abgestellt.

Die Beweislast für die ordnungsgemäße Aufklärung des sprachunkundigen Patienten trägt der Arzt.

Andrea Moersdorf:
Wie ist die Situation bei der Behandlung minderjähriger Kinder, wann genügt hier der Arzt der Aufklärungspflicht?

Astrid Maigatter-Carus:
Bei der Behandlung Minderjähriger ist die Aufklärung und Einwilligung der Eltern ausreichend. Der Arzt kann in der Regel davon ausgehen, dass das mit dem Kind erscheinende Elternteil ermächtigt ist, die Einwilligung für den anderen zu erteilen. Hier gibt es nur wenige Ausnahmen, zum Beispiel:
- der Arzt weiß, dass sich die Eltern nicht einig sind;
- es handelt sich um eine schwierige und weit reichende Entscheidung (Beispiel: Herz-OP).

Andrea Moersdorf:
Frau Maigatter-Carus, wie ist die Sachlage, wenn sich Eltern nicht einigen können oder die Behandlung gar ablehnen? Was können der Arzt / die Ärztin hier tun oder anders, was müssen sie tun?

Astrid Maigatter-Carus:
Können sich die Eltern nicht einigen oder lehnen sie einen vital indizierten Eingriff ab, z.B. aus religiösen Gründen, muss der Arzt das Vormundschaftsgericht einschalten. Reicht die Zeit dafür nicht aus, wird dessen mutmaßliches Einverständnis unterstellt.

Besitzt der Minderjährige die notwendige Einsicht und Willensfähigkeit, kann er selber eine wirksame Einwilligung abgeben. Die Rechtsprechung gibt dem Arzt hierfür keine starren Altersgrenzen vor, diese wird – abhängig von der Art des Eingriffs – bei 14 bzw. 16 Jahren gesehen.

Andrea Moersdorf:
Was sollten Patienten noch wissen? Welche Besonderheiten zum Stichwort Aufklärung sind noch wichtig?

Astrid Maigatter-Carus:
Gesteigerte Anforderungen an die Aufklärungspflicht werden bei kosmetischen Operationen gestellt. Dies trägt dem Umstand Rechnung, dass es sich um keinen aus ärztlicher Sicht notwendigen Eingriff handelt, sondern dass die Operation allein wegen der besonderen Bedürfnisse des Patienten an eine kosmetische Verbesserung erfolgen soll.

Die Rechtsprechung fordert in diesen Fällen eine schonungslose Patientenaufklärung. Es ist ausführlich auf Erfolgsaussichten und Risiken hinzuweisen sowie insbesondere auf die Möglichkeit bleibender Entstellungen im Fall des Misserfolgs.

Hinzuweisen ist z.B. auf
- die Gefahr einer deutlichen Vergrößerung einer bereits vorhandenen Unterbauchnarbe (von 15 auf 45 cm);
- längerfristige Sensibilitätsstörungen bei der Vornahme einer Bauchdeckenstraffung;
- ein erhöhtes Thromboserisiko;
- die Notwendigkeit einer weiteren operativen Maßnahme zum Erreichen des gewünschten kosmetischen Erfolgs (hier: Haut- und Bauchdeckenstraffung).

Bei einer Liposuktion ist darüber zu belehren, dass bei großflächigen Fettabsaugungen mit der Entstehung unregelmäßiger Konturen zu rechnen ist, die nicht in jedem Fall vollständig beseitigt werden können.

Bei nicht vital indizierten Eingriffen ist darüber aufzuklären, dass die Erreichung des erstrebten kosmetischen Erfolgs nicht gesichert ist, dass es zur Bildung von hässlichen Narben, Sensibilitätsstörungen und erforderlichen Nachoperationen kommen kann.

Andrea Moersdorf:
Frau Maigatter-Carus, Patienten unterschreiben in der Regel ein Aufklärungsprotokoll, in dem die Einzelheiten des geführten Aufklärungsgesprächs dokumentiert sind. Welche Erfahrungen haben Sie zu diesem Punkt mit Ihren Mandanten gemacht?

Astrid Maigatter-Carus:
Immer wieder werde ich mit der Problematik konfrontiert, dass sich bei Einsicht in die Krankenunterlagen Einzelheiten zur Aufklärung finden, an die sich der Patient nicht erinnern kann und die möglicherweise in Nachhinein handschriftlich eingefügt wurden.

Grundsätzlich gilt: Einer ordnungsgemäßen Dokumentation kommt zu Gunsten der Behandlungsseite Indizwirkung zu

Andrea Moersdorf:
Was bedeutet das konkret?

Astrid Maigatter-Carus:
Das heißt, wenn die Dokumentation ordnungsgemäß ist und keine konkreten Anhaltspunkte bestehen, die Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit begründen können, so ist bei der Beurteilung, ob ein Behandlungsfehler vorliegt, der dokumentierte Behandlungsverlauf zugrunde zu legen. Diese Vermutung kann der Patient in der Regel nur durch Zeugenbeweis widerlegen.

Umgekehrt gilt: Aus der Tatsache einer fehlenden, mangelhaften oder unvollständigen Dokumentation einer aus medizinischen Gründen aufzeichnungspflichtigen Maßnahme kann – bis zum Beweis des Gegenteils durch die Behandlungsseite – darauf geschlossen werden, dass diese Maßnahmen unterblieben bzw. vom Arzt nicht getroffen worden ist

Andrea Moersdorf:
Diese Zusammenhänge wirken eher komplex. Frau Maigatter-Carus, was bedeutet das für Patienten denn genau?

Astrid Maigatter-Carus:
Aus dieser Vermutung zugunsten der Patientenseite können sich weitere Beweiserleichterungen – bis hin zur Umkehr der Beweislast – ergeben. Diese – auch aus juristischer Sicht - sehr komplexen Beweiserleichterungen werde ich im nächsten Teil der Informationsreihe zu Aufklärung und Dokumentation noch erläutern.

Andrea Moersdorf:
An wen können sich am Thema Interessierte wenden?

Astrid Maigatter-Carus:
Interessierte Betroffene oder Angehörige können die Informations-Reihe „Aufklärung und Dokumentation“ kostenfrei anfordern.


Fragen und Kontakt
Rechtsanwältin
Astrid Maigatter-Carus
Irmelsgasse 50 - 53881 Euskirchen
Tel.: 0 22 55 / 950 960
Fax: 0 22 55 / 950 961
Mail: ra@maigatter-carus.de
maigatter-carus.de


Rechtsanwältin Astrid Maigatter-Carus studierte Rechtswissenschaften in Bonn und Koblenz, ist verheiratet und Mutter zweier Kinder.
Seit 1994 engagiert sie sich erfolgreich als Patientenanwältin. Im Fokus ihrer Arbeit steht der Mensch als Patient und seine Angehörigen. Astrid Maigatter-Carus betreut und vertritt Patienten, die durch Arztfehler geschädigt wurden, persönlich gegenüber den behandelnden Ärzten und Krankenhäusern sowie deren Haftpflichtversicherungen.

Astrid Maigatter-Carus ist ausschließlich im Bereich des Arzthaftungsrechts mit dem Schwerpunkt Geburtsschadensrecht tätig. Seit 2009 rundet der Fachanwalt für Medizinrecht ihr Profil ab.


Moersdorf Consulting Ist eine Unternehmensberatung, die auf Basis der modernsten wissenschaftlichen Forschung im Bereich des Neuro-Marketings arbeitet. In Akquise-Workshops und Verkaufs-Kommunikations-Trainings bewirkt der mentale Lernansatz die von den Teilnehmern gewünschte Modifikation der eigenen Einstellung zu verschiedenen Herausforderungen und unternehmerische Fragestellungen - mit sofortiger Wirkung. Moersdorf Consulting ist sehr erfolgreich für kleine und mittlere Unternehmen und insbesondere für Kliniken und Praxen tätig.

Die Verantwortung und rechtliche Belangbarkeit dieses Artikels liegt ausschließlich beim unten genannten Redakteur!

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