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Bewerbungs-Quickie: Der erste Eindruck zählt - Flirtbörsen dienen als Vorbild für die Blitz-Bewerbung


Es ist ein Satz, den Bewerbungs-Trainer in der Endlosschleife laufen lassen: Der erste Eindruck zählt - Diesen Grundsatz haben seit Jahren Flirtbörsen zum Prinzip gemacht.


NEWS-EINTRAG aus der Kategorie Beruf / Bildung vom 06.01.11 - 15:22 Uhr:

 

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Es ist ein Satz, den Bewerbungs-Trainer in der Endlosschleife laufen lassen: Der erste Eindruck zählt. Diesen Grundsatz haben seit Jahren Flirtbörsen zum Prinzip gemacht. Und dieses Partnervermittlungsmodell hat nun auch der Personalmarkt für sich entdeckt. Das Stichwort heißt Job-Speed-Dating.


Köln/Düsseldorf, 30. Dezember 2010 – Es ist ein Satz, den Bewerbungs-Trainer in der Endlosschleife laufen lassen: Der erste Eindruck zählt. Diesen Grundsatz haben seit Jahren Flirtbörsen zum Prinzip gemacht. Und dieses Partnervermittlungsmodell hat nun auch der Personalmarkt für sich entdeckt. Das Stichwort heißt Job-Speed-Dating. Dessen Prinzip entspricht dem der seit Jahren boomenden Singlebörsen: Jeder Teilnehmer hat die Gelegenheit, innerhalb eines bestimmten Zeitraums - mal zehn, mal zwölf Minuten - sein Gegenüber von sich zu überzeugen. Danach geht es weiter zum nächsten Dating-Partner und das Ganze beginnt von vorn: Händeschütteln, präsentieren, fragen, antworten, Telefonnummern tauschen. Zurück bleibt die Hoffnung, dass die Chemie stimmt - und die Verbindung Früchte trägt.

Bewerbergespräche im Akkordtempo schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden und erfreuen sich großer Beliebtheit bei Arbeitsvermittlern zwischen Alpenrand und Nordseestrand. Den ersten Großversuch startete die ARGE München als Zusammenschluss aus Arbeitsagentur und Sozialamt in Kooperation mit privaten Arbeitsvermittlern im Sommer 2009. Knapp 1.000 Langzeitarbeitslose suchten damals ihr berufliches Glück bei rund 50 teilnehmenden Unternehmen aus der bayerischen Landeshauptstadt – darunter Siemens, Dussmann, Deutsche Bahn, McDonald's. Drei Monate nach dem Bewerbungs-Quickie hätten rund 20 Prozent der Teilnehmer wieder eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gehabt, so die Bilanz der Münchener. 70 Unternehmen präsentierten sich schon wenig später, als der Arbeitsmarktdienstleister A4e (Action für Employment) und das Integrationscenter für Arbeit Gelsenkirchen (IAG) iag-gelsenkirchen.de in die Veltins-Arena luden. „Wir wollen Menschen in Arbeit bringen, dafür gehen wir gerne neue Wege“, sagt IAG-Geschäftsführer Reiner Lipka über das neue Konzept, das die Experimentierphase mittlerweile hinter sich gelassen hat. Mit einem eigens auf die Generation 50Plus zielenden Dating-Tag erreichte man in Bochum 1.000 über 50-jährige Arbeitsuchende und 90 Unternehmen aus der Region.

Zeugnisse sind zweitrangig

Anfang November war das RheinEnergie-Stadion in Köln Schauplatz für die außergewöhnliche Art der Wiedereingliederung von Arbeitslosen. Knapp 900 Arbeitslosengeld II-Empfänger und rund 70 potenzielle Arbeitgeber lernten sich im Schnellverfahren kennen. „Langzeitarbeitslose profitieren von dieser Bewerbungsform ganz besonders“, findet Klaus Müller-Starmann, Geschäftsführer der ARGE Köln argekoeln.de: „Selbst Kandidaten, deren Unterlagen von Personalverantwortlichen aussortiert werden, weil sie nicht ganz ins Raster passen, bekommen so die Chance auf ein persönliches Gespräch.“ Notendurchschnitt, ein Patzer im Arbeitszeugnis, Fragezeichen in der Vita sind beim Job-Speed-Dating zweitrangig, denn in dem entscheidenden Augenblick kommt es primär auf die Persönlichkeit an.

Eine Analyse, die die Kölner mit Zahlen untermauern können, denn die Ergebnisse aus dem Bewerbungs-Marathon beweisen, dass viele Bewerber erst durch ihren persönlichen Eindruck punkten. Insgesamt wurden damals 3.522 Bewerbungsgespräche geführt. Fast jeden dritten Kandidaten haben die Personaler anschließend als für die Stelle „gut geeignet“ bewertet. In etwa 600 Fällen luden sie die Bewerber zu einem Gespräch ins Unternehmen ein, knapp 2.000 Mal forderten sie ausführlichere Unterlagen an. Einige Kandidaten konnten sogar noch am selben Tag mit einer verbindlichen Jobzusage nach Hause gehen. Ganz ohne Vorbereitung geht es allerdings nicht: Die Kölner Teilnehmer erhielten zu Beginn der Veranstaltung ein Bewerbungspaket: ein Flyer mit Bild, Lebenslauf und Berufserfahrung, den sie den potenziellen Arbeitgebern aushändigten. Um am Job-Speed-Dating teilnehmen zu können, mussten sie in den Wochen zuvor zunächst ein Auswahlverfahren durchlaufen. Geeignete Kandidaten wurden anschließend in einem Coaching auf die besondere Form der Kurzpräsentation vorbereitet. Voraussetzung für die Teilnahme war, dass die Bewerber bereits über Berufserfahrung verfügten.

Speed-Dating öffnet Türen

Zwar ist die unmittelbare Unterschrift unter einen Arbeitsvertrag die Ausnahme, aber für viele Bewerber lohnt sich die Teilnahme, weil dies der erste Schritt ist, um über Folgegespräche den Wiedereinstieg in den Beruf zu schaffen. „Das Job-Speed-Dating spart uns viel Zeit im Prozess der Bewerbersuche, es ist eine effektive Form zur Vorauswahl“, resümiert Martin Sachse, Teamleiter beim Sportartikelspezialisten Decathlon, der beim Job-Speed-Dating in Bremerhaven Kontakte auf diese Weise knüpfte.

„Viele Personalverantwortliche betonen zwar immer wieder, dass für sie vor allem der erste Eindruck eines Kandidaten zählt, aber damit meinen sie eher den äußeren Eindruck und das Auftreten. Nur die wenigsten trauen sich tatsächlich, hierauf eine Entscheidung für oder gegen einen Bewerber zu gründen“, bestätigt auch Werner Schmidt, Sales Director IT Recruitment, Executive Search & Selection beim Düsseldorfer Personaldienstleister Harvey Nash harveynash.de. Ein Job-Speed-Dating könne nur ein kleiner Mosaikstein im großen Entscheidungspuzzle sein, insbesondere dann, wenn es um anspruchsvolle Positionen und hohe fachliche Qualifikationen gehe. Je geringer die Anforderungen, so Schmidt, desto eher könne das Konzept sicherlich greifen. Gleichwohl sei der Trend des Job-Speed-Datings für viele Unternehmen ein wichtiges Instrument zur Kontaktanbahnung im Rahmen des Kandidatenmarketings. „Statt einen Kandidaten auf Papier zum potenziellen Kunden zu bringen und dann mit vielen guten Worten zu verkaufen, bringt man Kunde und Bewerber gleich für zehn Minuten zusammen“, berichtet der Harvey Nash Manager aus der Personalberater-Praxis - was allerdings nur funktioniert wenn ein Kunde keine fest gefügten Anforderungen habe und sich lediglich ein Bild des Marktes machen wolle. Diese Kunden wiederum sind in der derzeitigen Marktsituation äußerst rar gesät.


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