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Neue Heiratsregeln: Dänemark nimmt Scheinehen ins Visier


Auswirkungen reichen weit: Vor allem in mehreren ländlichen Bezirken müssen sich Gemeinde-Kämmerer und lokale Wirtschaftsbetriebe wohl auf sinkende Einnahmen einstellen


NEWS-EINTRAG aus der Kategorie Sonstiges vom 15.11.18 - 12:45 Uhr:

 

 

Das Königreich Dänemark will ab Januar 2019 schärfere Heiratsregeln anwenden. Betroffen sind heiratswillige Paare aus aller Welt. Ihnen bleibt nur eine kurze Übergangsfrist, um nach alten Heiratsregeln heiraten zu können.


Dänemarks Regierung lässt schon seit Monaten an schärferen Regeln feilen. Erklärtes Ziel ist es die Zahl der Scheinehen weiter zu senken. Gut 10.000 internationale Paare sind allein im Jahr 2017 für wenige Tage allein in die zehn größten dänischen Hochzeitsorte gereist. Ein Jahrzehnt zuvor war es gerade einmal die Hälfte.

Durfte bisher jeder dänische Hochzeitsort teilweise ein wenig andere Heiratsregeln aufstellen, so kommen die neuen Bestimmungen von „ganz oben“. Um Scheinehen weiter einzudämmen, wird der gesamte ausländische „Hochzeitstourismus“ abgebremst. „Vielleicht auf ein Niveau von vor zehn Jahren“, so Dänemark-Kenner Wolfgang Dahl, Inhaber einer grenznahen Heiratsagentur. „Es kann auch sein, dass das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird.“

Denn betroffen sind nicht nur Menschen in unbekannter Zahl. „Vor allem werden das Paare sein“, prognostiziert Wolfgang Dahl, „die vor Anforderungen etwa deutscher Standesämter kapitulieren müssen. Zu den wirtschaftlichen Verlierern dürften allerdings auch vorwiegend ländlich strukturierte Bereiche Dänemarks gehören.

Insbesondere für Hochzeitsorte in „Randdänemark“, fern der Hauptstadt Kopenhagen, brachte der boomende „Hochzeitstourismus“ im letzten Jahrzehnt Arbeitsplätze und neue Einnahmen. Hotels wie Privatvermieter profitierten beinahe ganzjährig von notwendigen Übernachtungen der Hochzeitspaare. Ebenso Blumenläden, Friseurstudios, Fotografen und nicht zuletzt Gastronomiebetriebe. Standesamtsgebühren, Steuern und Abgaben flossen in das Gemeindesäckel. Kommen weniger Hochzeitspaare nach Dänemark, werden auch diese Einnahmen spürbar sinken.

So wird die althergebrachte Standesamtsgebühr eines jeden Paares zwar etwa verdoppelt, aber künftig nicht mehr in die Gemeindekassen fließen. Neue Fließrichtung: in die dänische Staatskasse. So hat denn auch in manchen dänischen Standesämtern ein vorsorgliches Stühlerücken begonnen. Als ausgebildete Verwaltungsfachleute lassen sich Standesbeamte schließlich auch in anderen Bereichen eines Rathauses einsetzen.

Für betroffene Hochzeiter hat Wolfgang Dahl einen Rat: „Es gibt ein Entrinnen vor den neuen Regeln – allerdings nur für kurze Zeit.“ Heiratswillige Paare, deren Papiere noch in 2018 in Dänemark standesamtlich geprüft wurden, dürfen in manchen dänischen Standesämtern im ersten Quartal des neuen Jahres zu alten Regeln heiraten.

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