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Anliegen der Erzieherinnen berührt gesamtgesellschaftliche Verantwortungsfragen


Erzieherinnen streiken zurecht – Schließlich geht es nicht nur um ihre Berufsgruppe, sondern auch um die Frage, was sind uns unsere Kinder wert?


NEWS-EINTRAG aus der Kategorie Beruf / Bildung vom 01.06.09 - 13:00 Uhr:

 

 

Die Erzieherin ist mit ihrem Beruf eingebettet in gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge. Das Arbeitsfeld der Erzieherin ist sehr komplex, auch wenn das in der Öffentlichkeit so nicht immer wahrgenommen wird. Sie agiert und vermittelt in einem Beziehungs- und Interessengefüge zwischen den Interessen der Kinder und deren Eltern (natürlich an erster Stelle), aber auch den Interessen der jeweiligen Träger, verschiedener Ämter und Institutionen oder politischen Gruppierungen und Parteien.


Erziehung ist immer auch eine politische Arbeit, die neben den Sachkenntnissen auch Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen erfordern. Entsprechende Anforderungen werden an die Kindergärten herangetragen, angefangen bei der bestmöglichen Förderung der Kinder bis hin zu Integrations- und Kompensationsaufgaben, die die Gesellschaft im Allgemeinen auf vielen Gebieten zu leisten hat.

Erzieherinnen wirken zudem in einer sehr sensiblen Phase der menschlichen Entwicklung. Die Lernprozesse des Kleinkindes und auch des Vorschulkindes laufen sehr verdichtet, sehr schnell und effizient ab. Die Prägungsdichte ist hier besonders groß und tiefgreifend. In den ersten Lebensjahren wird der Grundstein für die gesamte, spätere Entwicklung gelegt. Versäumnisse in dieser Lebensphase können nur schwer oder gar nicht mehr kompensiert werden. Deshalb brauchen Erzieherinnen ein waches Auge und werden während ihrer Ausbildung auch in Beobachtungs- und Selbstreflexionsaufgaben geschult.
Erzieherinnen müssen in der Lage sein, den verschiedenen Problemen und Aufgaben mit Offenheit und Toleranz zu begegnen. Vor allem bei der Arbeit mit Kindern müssen sie in verschiedenen Situationen oft spontan und schnell, sowie angemessen agieren und reagieren können. Die reine Intuition ist dabei wichtig, aber nicht ausreichend. Erzieherinnen reflektieren deshalb in ihrer Ausbildung exemplarisch zahlreiche Erziehungssituationen, betrachten sie auch in ihrem wissenschaftlichen Kontext und trainieren unterschiedliche Strategien.

In der Folge setzen sich Erzieherinnen auch sehr mit ihrer eigenen Person auseinander oder sind zumindest dazu angehalten. Wie in den meisten anderen Berufen hört die Ausbildung mit der staatlichen Anerkennung zur Erzieherin nicht auf. Um den täglichen Aufgaben gerecht werden zu können, braucht es auch hier lebenslang Fort- und Weiterbildungen und nie aufhörende Persönlichkeits-entwicklung.

Die Erzieherin wird als ganzer Mensch in ihrer Persönlichkeit gefordert und gebraucht. Die Herausforderung für sie besteht darin, einerseits als Erziehungsperson authentisch zu sein und andererseits die eigene Persönlichkeit als pädagogisches Handlungs- und Beziehungsinstrument einzusetzen. Denn das Kind fordert den direkten Kontakt und will, dass sich die Erzieherin mit ihrer ganzen Person auf es und seine Bedürfnisse bezieht und sich wiederum dem Kind und seiner Bewertung/Kritik ihres Handelns mit der ganzen Person aussetzt.

Denn die Kinder suchen sie als Handlungsvorbild, als Imitations- und Identifikationsmodell und suchen die direkte Antwort und Reaktion bei ihr in Haltung und Verhalten. In manchem wollen sie sein, wie sie, in anderem grenzen sie sich ab und wollen gerade nicht sein wie sie.
Die Erzieherin leistet Beziehungsarbeit in ganz umfänglichem Sinn. Einerseits begleitet sie das Kind mit Empathie und Verständnis für seine Situation und wird dadurch zum Rollenmodell für den Umgang mit eigenen inneren Befindlichkeiten und Prozessen des Kindes, andererseits muss sie im Hinblick auf die Intentionen, Erlebnisbahnen und Handlungsmuster des Kindes Führung übernehmen und Grenzen setzen bzw. Alternativen aufzeigen. Die Kinder können diese von der Erzieherin gestalteten Vorgänge nur annehmen, wenn sie sich von dieser geliebt und angenommen fühlen.

Überstandene, durchdrungene Lebenskrisen/Krisensituationen führen zu persönlicher Lebenserfahrung, die wiederum hilft, die Berufsrolle professionell gut und erfolgreich auszufüllen.
Die Herkunftsfa
milie und die damit verbundene frühe Sozialisation der Erzieherin selbst müssen reflektiert, verstanden und in die Persönlichkeit integriert sein. Es bedarf eines gewissen Reflexionsvermögens die eigene Lebensgeschichte betreffend. Auch bedarf es der Kenntnis der eigenen Persönlichkeitsstruktur und auch Erfahrung mit anderen Persönlichkeitsstrukturen. Differenzierter und sensibler Umgang mit sich selbst ist erforderlich. Die Erzieherin sollte eigene Gefühle wahrnehmen und benennen können. Es ist wichtig, dass sie sich Erlaubnis für einen solchen Erlebnisraum gibt, sich Zeit lässt, um mit ihren Gefühlen in Fühlung zu kommen. Hat sie ihre Gefühle gefühlt, sollte sie die Gefühle für sich bewerten können, ihnen einen Platz zuordnen können im eigenen Gesamthaushalt. Die Steuerungshoheit über ihre Gefühle sollte sie behalten können, den Gefühlen Bahnen legen und sie kultivieren können. Kein ganz leichtes Unterfangen.

Ganz wichtig: Die Erzieherin sollte die Fähigkeit zum Austausch besitzen, sich nicht allein machen, weder mit guten noch mit nicht bewältigbaren Gefühlen. Es muss nicht immer alles richtig gemacht werden. Auch Erzieherinnen dürfen sich Fehlerkultur erlauben. Es ist wichtig, zu wissen, dass man aus Fehlern lernt. Durch Fehler, die wir machen, erscheinen wir auch für die Kinder erreichbarer.
Kindergärten brauchen starke Erzieherinnen, die mit sich im Reinen sind.
Der Beruf zieht aber auch Menschen an, die dem Konkurrenzkampf und Leistungsdruck in der freien Wirtschaft ausweichen wollen. Es ist ein Trugschluss, zu glauben, im Umgang mit Menschen Sicherheit und Anlehnung in den vorgegebenen Strukturen finden zu können.
Hat die Erzieherin natürliche Autorität? Schafft sie es, die Kinder zu begeistern und für sich zu gewinnen? Kann sie die Kinder faszinieren? Ist sie in der Lage auf unerwartete Situationen flexibel und hilfreich zu reagieren?

Eine Erzieherin muss Abstand zu sich selbst nehmen können und sie muss Abstand zu den Verhältnissen, von denen sie Teil ist, nehmen können. Wenn sie sich mit einem Kind verstrickt, muss sie aus den Verstrickungen herausgehen können. Sie sollte auf das einzelne Kind zugeschnittene, flexible Beziehungsangebote gestalten lernen. Nicht allein deshalb brauchen Erzieherinnen die Ich-Stärke, die es ihnen ermöglicht, dass sie den Spiegel der Kolleginnen nicht nur aushalten können, sondern kreativ und konstruktiv in ein neues Rollenverhalten übersetzen können. Dies geht aber nur in einem vertrauensvoll miteinander arbeitenden Team, in dem Fehler als Wachstumsmöglichkeiten gesehen werden.

Erzieherinnen sollten ihre Schattenseite und Schwächen, aber auch ihre Stärken kennen. Sie sollten Kinder unterstützen können, ihre Schwächen zu stärken und ihre Stärken zu fördern, aber auch sozial einzubetten.
Erzieherinnen müssen die Kinderpersönlichkeit erfassen können. Sie müssen in der Lage sein, das Kind im Nahbereich zu begleiten, sich intensiv einzufühlen, um auch wahrzunehmen, in welcher Weise das einzelne Kind seine Welt bewertet und in welcher Weise es seiner Welt subjektiv Bedeutung gibt und welche Schlüsse das Kind daraus für sich selbst zieht. Auch sollte die Erzieherin dafür Sorge tragen, dass eine Kultur der gegenseitigen Anerkennung gepflegt wird.

Die Erzieherin sollte sich in die Denk- und Fühlmuster der Kinder einschwingen können, das Wahrgenommene lassen können, aber auch Impulse anbieten oder Grenzen setzen können. Sie sollte den Mut und die Fähigkeit haben, auch korrigierend einzugreifen. Sie sollte sich in die Spielprozesse der Kinder einfädeln können, die Gesetzmäßigkeiten von Rollenspielen begreifen, auf der Ebene der kindlichen Rollenspiele mit eintauchen können, an den Bildern, eines entstehenden Rollenspieles mitwirken können, sich auch einmal unangenehme Rollen zuschreiben lassen (z.B. ohne Angst vor Gesichtsverlust) und verfestigte Rollen von Kindern verflüssigen helfen.
Der Beruf der Erzieherin ist ein zur Kreativität herausfordernder Beruf.

Dem Bedürfnis der Kinder nach Wildheit und Bewegung Raum zu geben und gleichzeitig gestaltend zu wirken und diesen Impulsen Form und Ausdruck zu geben, macht die Arbeit zu einer schöpferischen, aber auch sehr anspruchsvollen Arbeit, die, wenn sie gelingt, auch große Erfüllung mit sich bringt.

Die fantasievolle Erzieherin kann Identitäten anbieten (Indianerspiele, Cowboys, Ritter, Piraten), entsprechendes Equipment herstellen, Geschichten dazu aufleben lassen usw.
Kinder können sich in einer solchen Rolle neu erleben und können gleichzeitig schwierig zu interpretierende Formen der Selbstäußerung in Rollen kleiden, die erlaubt sind
Wir tun im Spiel so als ob,….ermöglicht den Kindern auch aggressive Selbstäußerungen und nimmt ihnen die normalerweise aufkommenden Schuldgefühle. Die gute Erzieherin hat Einfühlungsvermögen und Mitgefühl, Aufmerksamkeit und Respekt fürs Kind, Achtung, gutes Gespür für die eigenen Möglichkeiten und Grenzen und kann im Zweifelsfall auch einmal konsequent sein. Sie ist auch in der Lage in traurigen oder angstvollen Situationen hoffnungsfrohe Bilder zu entwickeln und den Kindern als Hilfe anzubieten.

Sie kann Mut machen und durch körperliche Präsenz auch körperlichen Schutz und Aufgehoben sein vermitteln, dem Kind auch mit dem Körper einen Rahmen und Halt geben. Sie kann die Kinder miteinander ins Gespräch bringen und im Gespräch Tiefe zum Wesentlichen herstellen.
Sie fordert die Kinder dazu auf, sich gegenseitig zu ermutigen und zu unterstützen.

Das alles kann eine alleine nicht leisten!!! Jede Erzieherin darf auch einmal müde sein und nicht mehr funktionieren können, „schräg drauf“ sein, schlechte Laune haben und sich mal dem Druck nicht gewachsen fühlen, sie darf einmal nicht in der Kraft sein, nicht kreativ sein können usw. Wichtig ist nur, dies so zu leben, dass es für die Kinder insgesamt glaubwürdig bleibt, keinen Bruch in der Rolle gibt und keine bleibenden Verletzungen nach sich zieht.

Es braucht ein tragfähiges Team, eine verständnisvolle Leitung, Anerkennung der Arbeit durch die Eltern und den Träger sonst ist das alles nicht zu schaffen.

Es braucht Unterstützung durch Träger, Kolleginnen und Eltern.

Es wird deutlich: In einer Gruppe bräuchte es weniger Kinder und mehr Erzieherinnen die mittragen und unterstützen.
Kinder brauchen Erzieherinnen, die Kinder mögen.
Kinder brauchen Erzieherinnen, die sich gerne mit Kindern auseinandersetzen.
Kinder brauchen Erzieherinnen, die glaubwürdig Grenzen ziehen können.
Kinder brauchen Erzieherinnen, die belastbar sind.
Kinder brauchen Erzieherinnen, die es aushalten, mit vielen verschiedenen Problemen konfrontiert zu sein.
Kinder brauchen Erzieherinnen, die ihnen ganz Handlungsvorbild sind und ihnen ganz Orientierung geben.
Kinder brauchen Erzieherinnen, die sich gerne auf sie einlassen.
Kinder brauchen Erzieherinnen, die sie bestärken.
Von einer guten Erzieherin wird erwartet, dass sie zu jedem Kind Zugang findet, sich persönlich auf es bezieht und versteht. Dieser Anspruch rührt aus dem Wesen des Kindes, das die verbindliche und persönliche Beziehung zu dem Erwachsenen, der Vorbild ist und Orientierung gibt, braucht. Das ist aber bei den heutigen Verhältnissen übermenschlich, bei den jetzigen Strukturen nicht zu leisten. Es ist im Moment ein grundlegendes Defizit in den Strukturen gelegt, die eine Erzieherin bei noch so viel persönlichem Engagement nicht ausgleichen kann.
Die Erzieherin muss sich selbst von zu hohen Ansprüchen entlasten. Auch wenn die Erfüllung dieser Ansprüche natürlich mehr das Gefühl von Sinn in der Arbeit vermittelt, wie wenn das nicht gegeben ist.

Es ist begrüßenswert, dass die Erzieherinnen an dieser Stelle Angst um ihre Gesundheit haben und für sich und ihre Gesundheit sorgen, schon allein deshalb, weil sie im Grundsatz damit auch für die Kinder sprechen.

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